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„Ich wollte mich nie labeln”: Sängerin CHINCHILLA im Interview

Autorin: Patricia Bauer

Sängerin CHINCHILLA aus London will die internationale Musik-Szene auf den Kopf stellen: In ihren Songs transportiert sie Themen wie Selbstliebe, Female Empowerment und Queerness. Ob die Künstlerin selbst queer ist, woher sie die Inspiration für ihre Musik nimmt und ob wir Feminismus ihrer Meinung nach noch brauchen? Das verrät CHINCHILLA im exklusiven Interview mit „Busenfreundin – das Magazin”!

Nachdem CHINCHILLA 2019 bereits im Vorprogramm von Sting auftreten durfte und bisher über 17,5 Millionen Streams erreicht hat, veröffentlichte sie am 13. August 2021 ihr neues Album „Moon Maintenance For Dummies”. Darauf begeistert die Britin mit emotionalem Songwriting und intelligentem Pop. Mit ihrer Musik, die unter anderem von Beyoncé, Janis Joplin oder Doja Cat beeinflusst wurde, will CHINCHILLA ihre Fans empowern.

Credits by Sony Music

Mit ihrem Charisma, ihrer auffälligen – und selbst entworfenen – Garderobe und ihren haltungsstarken Texten bleibt CHINCHILLA leicht im Gedächtnis. Mehr über die Londonerin erfahrt ihr im exklusiven Interview.

Busenfreundin-Magazin: Woher nimmst du die Inspiration für deine Musik? Welche Geschichten erzählst du in deinen Songs?

CHINCHILLA : Viele meiner Songs sind überspitzte Versionen realer Ereignisse aus meinem Leben. Es gibt aber auch viele Songs, die auf komplett erfundenen Geschichten basieren – zum Beispiel „Round Town” auf meiner neuen EP. Das ist eine komplett fiktive Geschichte. Es geht darum, mit jemandem Sex im Auto zu haben, dann herauszufinden, dass er eine Frau hat und deshalb sein Auto zu stehlen, sodass er strandet …

Jeder Song ist anders und das hängt auch davon ab, mit wem ich schreibe! Wenn ich alleine schreibe und produziere, sind meine Songs viel persönlicher und wahrscheinlich auch etwas experimenteller. Wenn ich mit anderen zusammen schreibe, sind die Themen breiter gefächert – das macht einfach mehr Sinn, wenn jeder in der Lage ist, sich beim Songwriting auf dasselbe zu beziehen!

Credits by Sony Music

Busenfreundin-Magazin: Als wie queer empfindest du die britische Musikszene? Was läuft gut, wo gibt es Verbesserungsbedarf?

CHINCHILLA : Ich glaube, Queerness scheint überall durch. Und ich glaube, dass es ein Spektrum ist – jede:r hat ein bisschen davon in sich. Oder eine ganze Menge. Oder vielleicht auch gar nichts.

Ich denke, dass es in der Branche noch viel Raum für Verbesserungen gibt – man muss sich nur ansehen, was gerade mit DaBaby passiert [Der Sänger wurde nach homophoben Äußerungen von Fans und Promis gecancelt, Anm. d. Red.], um zu sehen, dass es noch immer große Stars mit unglaublich toxischen Ansichten gibt. Aber es gibt auch Hoffnung, zum Beispiel mit Künstler:innen wie Lil Nas X, die immer wieder Grenzen überwinden, sich riesige Fanbases aufbauen und DaBaby in den Charts überholen.

Busenfreundin-Magazin: Spielen LGBTIQ+-Themen in deiner Musik eine Rolle? Können wir uns womöglich über eine neue queere Hymne aus deiner Feder freuen?

CHINCHILLA : Ich denke, diese Themen spielen fast überall im Leben eine Rolle. In vielen meiner Songs geht es um Selbstliebe und Akzeptanz. Und darum, der gesellschaftlichen Norm und Leuten, die einen runterziehen, den Mittelfinger zu zeigen. Wie das zu interpretieren ist, bleibt den Hörer:innen überlassen.

„Trigger”, „Million Dollar Multicolour Bliss”, „Who’s Your Mummy” und „Fingers” von meiner EP sind Songs, die Selbstliebe von den Dächern schreien und jede:n übertönen, der:die das nicht unterschützt. Wenn jemand beschließt, diese Botschaft als „queere Hymne” zu bezeichnen, wäre es mir eine Ehre.

Busenfreundin-Magazin: Identifizierst du dich selbst als queer? Hattest du jemals ein Coming-out? Wenn ja: Wie hat dein Umfeld reagiert?

CHINCHILLA : Ich hatte noch nie ein Label und wollte auch nie eines. Ich glaube daran, dass Liebe Liebe ist. Und wenn ich die Person, die ich liebe, ansehe, ist mir ihr Geschlecht egal. Ich habe nicht das Bedürfnis, meine Sexualität für jemand anderen als der Person, mit der ich zusammen bin, einzukategorisieren. Das ist ist schließlich eine der persönlichsten Fragen, die man jemandem stellen kann.

Ich hatte das Glück, sehr akzeptierende Familienmitglieder und Freunde zu haben, die sich nie über meine Sexualität aufgeregt oder gewundert haben. Ich weiß, dass das bei einigen Menschen nicht der Fall ist, daher nehme ich das nicht als selbstverständlich hin.

Busenfreundin-Magazin: Was würdest du einem jungen Menschen raten, der mit seiner:ihrer Sexualität oder Identität hadert und das Coming-out noch vor sich hat?

CHINCHILLA: Ich würde vor allem raten – soweit möglich – mit einer Fachkraft zu sprechen. Mit jemandem, der:die vielleicht sogar das Gleiche durchgemacht hat. Online gibt es Gruppen und unterstützende Gemeinschaften, in denen du dich sicher und verstanden fühlen kannst.

Man sollte alles im eigenen Tempo angehen und das Coming-out nur durchziehen, wenn es sich richtig anfühlt. Sei dir bewusst, dass es, wenn du dich für ein Coming-out entscheidest, Millionen von Menschen auf dieser Welt gibt, die dich lieben und unterstützen werden – egal wie du dich identifizierst.

Busenfreundin-Magazin: Du setzt dich stark für Werte wie Body Positivity und Female Empowerment ein. Warum sind dir diese Themen so wichtig?

CHINCHILLA: Das tue ich. Ich hatte schon immer Probleme mit Body Positivity und denke, dass es wichtig ist, diese Probleme in der Musik und in den sozialen Medien auf positive Weise zu beleuchten. Um den Mist zu übertönen, mit dem wir von der anderen Seite der Medien gefüttert werden!

Gleiches gilt für Female Empowerment. Ich glaube, viele meiner Songs sind aus einer unterdrückten Wut heraus entstanden – aus dem Gefühl heraus, dass ich meine Gefühle unterdrücken oder in Situationen, in denen ich schreien möchte, höflich sein soll. Das ist bei vielen Menschen der Fall. Frauen haben aber einfach keine Chance: Wir werden von klein auf darauf konditioniert, zurückhaltend und höflich zu sein.

Wenn ich Songs schreibe und auftrete, kommt eine Art Wut zum Vorschein. Dieses Gefühl von „Ich hätte dies, das und jenes sagen sollen”, das man zehn Minuten nach einem Streit hat. Darüber berichte ich in meiner Musik. Ich glaube, die Leute brauchen das – besonders wenn es von Frauen kommt. Ich weiß, dass ich das brauchte, als ich aufgewachsen bin. Deshalb zählten zu meinen Vorbildern immer starke Sängerinnen wie Beyoncé, Christina Aguilera und Janis Joplin. Das sind sie immer noch!

Credits by Sony Music

Busenfreundin-Magazin: Was denkst du: Brauchen wir noch Feminismus? Wie sollte die Musikindustrie Künstlerinnen fördern?

CHINCHILLA: Ja, zu 1000% brauchen wir noch Feminismus! Die Musikindustrie braucht noch viel mehr weibliche Produzentinnen, Songwriterinnen und Künstlerinnen. Die Charts sind noch immer von Männern überschwemmt, obwohl es so viele Frauen gibt, die diese Plätze genauso verdient hätten. Auch bei den Festivals sollte das Geschlechterverhältnis viel ausgewogener sein – es ist ein Witz, wie viele Männer ständig als Headliner auftreten. In welchem Jahr leben wir denn?!

Busenfreundin-Magazin: Planst du, wenn Corona es wieder zulässt, für Konzerte nach Deutschland zu kommen?

CHINCHILLA: Ja! Definitiv! Ich kann es nicht abwarten, so schnell wie möglich nach Deutschland zu kommen!

Busenfreundin-Magazin: Wir freuen uns drauf! Danke für das spannende Interview!


Habt ihr euch das neue Album von CHINCHILLA bereits angehört? Wie gefallen euch die Songs? Welche Newcomer:innen könnt ihr noch empfehlen? Hinterlasst uns einen Kommentar!


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