Ok, krass!

Das Problem mit Queerbaiting

Queerbaiting: das ist das Vorgaukeln von Repräsentation. Das Ausnutzen der queeren Community. Die falsche Hoffnung, sich in einer Serie oder einem Film wiederzufinden. Der Witz, der eine gleichgeschlechtliche Beziehung anscheinend ist.

Netflix hat einen neuen Film namens Desperados rausgebracht. Die Prämisse der Komödie: eine Frau hört mehrere Tage lang nichts von dem Typen, den sie datet. Daraufhin schickt sie ihm betrunken eine hasserfüllte E-Mail. Kurz danach erfährt sie, dass der Mann einen Unfall in Mexiko hatte und dort im Krankenhaus liegt. Sie fliegt mit ihren zwei besten Freundinnen nach Mexiko, um dort die E-Mail zu löschen.
Beworben wird der Film mit diesem Bild:

Aber wieso gerade das Bild? Eigentlich sagt es doch recht wenig über den Film aus. Und auch die Szene (Spoiler!) ist im Film nicht von großer Relevanz. Alle Hauptfiguren in dem Film sind heterosexuell. Der Grund, wieso man trotzdem so ein Bild benutzt, lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Queerbaiting. 

Queerbaiting: Homos fischen

Queerbaiting funktioniert ähnlich wie Pinkwashing, ist dabei aber um einiges dezenter. Es ist eine Methode in den Medien – hauptsächlich in Filmen und Serien -, um das Interesse queerer oder queer-freundlicher Zuschauer:innen zu bekommen. Dabei sollen gleichzeitig konservative Zuschauer:innen nicht verschreckt werden. Es werden homoerotische Spannungen zwischen zwei gleichgeschlechtlichen heterosexuellen Charaktere aufgebaut. Oft spielt man aber diese Spannung mit einem Lacher oder Witz herunter. Es wird zu Beginn in der Regel nicht klar gestellt, ob der Charakter heterosexuell oder queer ist. Der Charakter bringt oftmals eine Geschichte oder Eigenschaften mit, mit denen sich viele queere Zuschauer:innen identifizieren können und aus Erfahrung daraus schließen, dass dieser Charakter queer sein könnte. Die queeren Zuschauer:innen verfolgen so beispielsweise die Serie weiter und hoffen darauf, dass die Charaktere vielleicht doch Gefühle füreinander haben oder entwickeln und schließlich zusammenkommen.

Wahrscheinlich wird Queerbaiting genutzt, um die Einschaltquoten oder Ticketverkäufe anzukurbeln. Durch die Illusion von Repräsentation fühlen sich nämlich oft queere Zuschauer:innen zu den Filmen und Serien hingezogen. Ergo handelt es sich um Queerbaiting. Produzenten wie Netflix gaukeln mit der Werbung bewusst eine queere Storyline vor, die quasi nicht existiert.

Veronica und Betty in der ersten Folge Riverdale. Beide Charaktere sind heterosexuell.

Und wo ist das Problem mit Queerbaiting?

Queerbaiting zieht gleich mehrere negative Punkte mit sich. Zum einen ist es nur die Illusion von echter Repräsentation. Es sind nicht wirklich queere Charaktere. Man kann sie nur so deuten. Man traut sich also entweder nicht, queere Charaktere zu schreiben, oder möchte keine tatsächlich queeren Charaktere in seinem Werk haben. Die queere Zuschauerschaft wird also nicht ernst genug genommen oder als nonexistent angesehen. 

Charaktere lachen über die Möglichkeit, mit einem gleichgeschlechtlichen Charakter zusammen zu sein. Die prominentesten Beispiele dafür sind Sherlock und Watson aus der BBC Serie Sherlock. Die beiden werden ständig für ein Pärchen gehalten und letztendlich ist diese Möglichkeit immer nur eine Pointe. Ähnliches geschieht auch bei der Serie Rizzoli & Isles. Dort gaben die Showrunner sogar zu, dass die Schauspielerinnen bewusst mit der homoerotischen Spannung spielen sollten.

Oft sehen die Medienschaffenden dann auch keinen Grund, echte queere Charaktere in ihre Filme und Serien einzubringen. Die queere Zuschauerschaft kriegen sie allein durch die Hoffnung, dass gewisse Charaktere nicht hetero sind. 

Queer Representation Matters

Dass echte Repräsentation aber wichtig ist, beweisen mehrere Studien. Queere Charaktere in den Medien helfen dabei, dass andere ihre eigene Sexualität oder Geschlechtdsidentität realisieren. Viele kennen die Story von dem „Sexual Awakening“, als man einen gewissen Charakter im Fernsehen oder Kino gesehen hat und sich plötzlich ganz neuer Gefühle bewusst wurde. Welche Held:innen das bei euch so war, haben wir übrigens in einem früheren Artikel zusammengefasst.

Zusätzlich gibt queere Repräsentation Betroffenen ein Gefühle von Sicherheit, Stolz und Zusammenhalt. Viele, die sich missverstanden oder alleine fühlen, finden eine Art Geborgenheit in Charakteren, die ihnen ähnlich sind. So beeinflussen queere Charaktere positiv die Community und ihr Wohlbefinden. 

Es gibt noch Hoffnung

Queerbaiting geht da in die entgegengesetzte Richtung. Es hält es nicht für nötig, queere Menschen wahrhaftig darzustellen. Queerbaiting impliziert, dass man nur für die Einschaltquoten und Ticketverkäufe gut ist. Einen Platz am Tisch verdient man aber nicht. 

Queerbaiting passiert immer häufiger, aber dafür steigt auch die Anzahl tatsächlich queerer Charaktere in den Medien. 2019 zeigt GLAADs (Gay and Lesbian Alliance Against Defamation) jährlicher Bericht über die Quantität, Qualität und Diversität queerer Charakter in Filmen, dass 18,6% der Charaktere queer sind. Das ist fast ein Fünftel. In den Serien liegt die Quote bei 10,2% der regulären Charaktere. Damit wurde die bisher höchste Quote für queere Charaktere erreicht.

Dass es allerlei Filme und Serien mit tatsächlich queeren Charakteren gibt, beweist auch unserer ultimativer Streaming-Guide

Photo by Sharon McCutcheon on Unsplash


Ist euch Queerbaiting auch schon mal aufgefallen? Schreibt eure Erfahrungen in die Kommentare!


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Sanja-Marie Schiffer Busenfreundin das Magazin
Autorin: Sanja

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