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„Ein Leben zwischen Sünde und Schleier”: Wenn Liebe verboten ist

Autorin: Patricia Bauer

Der muslimische Glaube und Homosexualität: Passt das zusammen oder entstehen unüberwindbare Gewissenskonflikte? Kann Liebe Sünde sein? Wo muss ein Umdenken stattfinden? Mit den Antworten auf diese Fragen könnte man ganze Bücher füllen – so wie Autorin Layal in ihrem Roman „Ein Leben zwischen Sünde und Schleier”. Wie ihr Coming-out lief und was ihr das Buch bedeutet? Das verrät sie im exklusiven exklusiven Interview mit „Busenfreundin – das Magazin”!

Layal ist 35 Jahre alt, wurde in Deutschland geboren und lebt derzeit im Ruhrgebiet. Die dreifache Mutter hat ihre Wurzeln im Libanon. Das Land grenzt an Israel und Syrien – Auswirkungen der Nahost-Konflikte sind auch dort zu spüren. Im muslimischen Libanon könnte Layal, die seit vier Jahren mit einer Frau zusammen ist, ihre Liebe nicht offen leben: Zwar war das Land 2017 das erste der arabischen Welt, dass einen CSD in der Hauptstadt Beirut erlaubte. Außerdem beheimatet es eine kleine LGBTIQ-Bewegung sowie ein schwul-lesbisches Nachtleben. Im Alltag erleben Homosexuelle aber noch immer viel Diskriminierung. Das liegt unter anderem an homo-feindlichen Gesetzen und konservativen gesellschaftlichen Konventionen.

Ressentiments gegenüber LGBTIQ+ reisen bei einigen Familien, die aus dem Nahen Osten nach Deutschland kommen, mit: „Ich bin nicht geoutet, da es in meinem Kulturkreis nicht Gang und Gäbe ist, über dieses Thema zu sprechen, geschweige denn sich dazu zu bekennen”, erzählt Layal.

Ein Leben zwischen Sünde und Schleier

Ihre Erfahrungen inspirierten Layal zu ihrem Roman „Ein Leben zwischen Sünde und Schleier”, welches seit dem 27. Mai 2021 auf Amazon Kindle erhältlich ist.

Die Geschichte spielt im fernen Jordanien – ebenfalls im Nahen Osten – und erzählt vom Leben einer jungen muslimischen Frau, die durch den Wink des Schicksals zur Liebe findet. Diese Liebe birgt allerdings gravierende Hindernisse: Religion und Tradition stehen in krasser Diskrepanz zur gleichgeschlechtlichen Liebe. Die Protagonistin steht am Scheideweg und fragt sich: Wohin führt die Reise? Ist der Weg das Ziel? Am Ende ihres Weges soll in jedem Fall die Liebe stehen. Lesende des Buches erleben mit, wie sie sich durch ihren Geissenskonflikt navigiert und durch ihre Erfahrungen – Freud und Leid – immer selbstbewusster wird.

Die Geschichte der Protagonistin weist einige Parallelen zum Lebensweg der Autorin, Layal, auf. Darüber erzählte sie uns mehr in einem Interview.

„Sünde beginnt, wenn ich mir die Liebe verwähre”

Busenfreundin-Magazin: Wann und wie hast du für dich herausgefunden, dass du Frauen liebst?

Layal: Ich habe bereits in sehr jungen Jahren gemerkt, dass ich mich eher zu Frauen als zu Männern hingezogen fühle. So richtig klar wurde mir das während der Schulzeit: Während ich die Mädchen in meiner Klasse äußerst reizvoll fand, haben mich die Jungs kaum interessiert.

Busenfreundin-Magazin: Was hat diese Erkenntnis mit dir gemacht?

Layal: Ich musste diesen – für mich befremdlichen – Neigungen entsagen und habe sie nicht an mich herangelassen. Ich verdrängte sie, denn diese Empfindungen auszuleben war undenkbar. Aber die Jahre vergingen und meine Gefühle wurden immer stärker. Permanent hatte ich gegenüber meiner Religion ein schlechtes Gewissen und habe mich als schlechte Muslima gesehen. Ist mir etwas Negatives widerfahren, habe ich mir unentwegt eingeredet, dass Gott mich straft. Lange Zeit quälte ich mich mit diesen Gedanken – bis ich mir irgendwann eingestand, dass ich nichts für meine Gefühle kann. Diese Neigungen habe ich mir nicht ausgesucht. Ich bin was ich bin und das Wichtigste ist, dass ich selbst es akzeptiere.

Busenfreundin-Magazin: Du erzählst, dass du dich bisher nicht vor deiner Familie outen konntest. Denkst du, dass der „richtige Zeitpunkt” irgendwann noch kommt? Welche Reaktionen malst du dir aus?

Layal: Sicherlich kann und werde ich mich nie vor meiner Familie outen – das würde den Bruch mit ihnen bedeuten. Diesen Preis für die sogenannte Freiheit möchte ich nicht zahlen – damit würde ich mich selbst in Ketten legen. Ich wäre gebrandmarkt und so stelle ich mir ein freies Leben nicht vor.

Busenfreundin-Magazin: Was hat dich dazu gebracht, dein Buch zu schreiben?

Layal: Ich habe mir in der Vergangenheit des öfteren Filme über Frauenliebe angesehen – vor allem solche mit Bezug zum Islam. Dabei musste ich immer wieder feststellen, dass die Religion nie eine Rolle spielte. Ständig standen Kultur und Tradition stark im Vordergrund, während die Religion lediglich mit einem Satz abgehakt wurde. Und die Krönung für mich persönlich war, dass es immerzu von den Eltern toleriert wurde. Alle hatten sich lieb und es gab ein Happy-end.

Sicherlich gibt es muslimische Frauen die solch ein Coming-out hatten – so zum Beispiel auch bei meiner Partnerin der Fall. Der Großteil der Realität schaut aber anders aus. Ich kenne einige Frauen aus dem arabischen Raum, die genau so denken wie ich. Sie lieben Frauen, können dieses Verlangen allerdings nicht frei ausleben. Sie stecken in diesem Dilemma und haben das Gefühl, aufgrund ihrer Neigung schlechte Muslimas zu sein. Mir war es wichtig, dieses Thema aufzugreifen und all den Frauen die so empfinden wie ich, eine Stimme zu geben. So kam ich auch auf den Titel „Ein Leben zwischen Sünde und Schleier”.

Busenfreundin-Magazin: Wie beantwortest du selbst die in deinem Buch aufgeworfene Frage „Wann beginnt Liebe eine Sünde zu sein?”

Layal: Ab welchem Grad beginnt Liebe eine Sünde zu sein … Für mich persönlich beginnt die Sünde dann, wenn ich mir die Liebe selbst verwehre.

Busenfreundin-Magazin: Wie viel von der Frau in deinem Buch steckt in dir und andersherum?

Layal: Tatsächlich gibt es einige Parallelen zwischen mir und der Protagonistin – unter anderem der Name. Ich habe sie bewusst Layal genannt, da ich das Buch anonym veröffentlichen muss und so gebe ich der Geschichte einen Hauch meiner Person mit.

Busenfreundin-Magazin: Welches Leben führt die Layal aus deinem Buch?

Layal: Ihr Leben ist nicht sonderlich aufregend oder gar abwechslungsreich. Vielmehr ist es eine sich immer wiederholende Endlosschleife. Bis zu jenem Tag, an dem der Wind den Kurs ändert und das Schicksal seinen Lauf nimmt …

Busenfreundin-Magazin: Danke, Layal, für die spannenden Einblicke! Alles Gute für dich!


Denkt ihr, dass der muslimische Glaube und Homosexualität vereinbar sind? Habt ihr selbst Erfahrungen wie Layal gesammelt? Hinterlasst uns einen Kommentar!


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1 comment

  1. Danke für diesen Artikel! Dachte mir schon, dass irgendwas in der Richtung kommt demnächst.. Als Kind bin ich bei den Zeugen Jehovas aufgewachsen und hatte dann auch immer diesen inneren Kampf, zwischen Gott gefallen, und sündige Neigungen zu haben. (Kommasetzung garantiert falsch sorry). Long story short… heute bin ich der Meinung, mir hätte nichts Besseres passieren können, als lesbisch zu sein. Sonst würde ich wohl immer noch ein Leben führen, das gar nicht meins ist. Abgesehen davon was in dem Verein schief läuft, Gott und Religion hin oder her. Am Ende bin ich doch mein eigener Mensch und fühle was ich fühle. Und habe einen Mensch an meiner Seite, die das genau so fühlt. Wir lieben uns und feiern unser Leben zusammen, mit Höhen und Tiefen. Egal wer das wie findet. Punkt.

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