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Gaystreamt: „I Care A Lot”

Autorin: Simone Bauer

„Ich bin kein Lamm, ich bin eine Löwin“: „I Care A Lot“ ist ein geniales Psychospiel darüber, ob Jäger:innen nicht doch die Gejagten sind. Die Hauptfigur ist eine Busenfreundin und wird von Golden-Globe-Preisträgerin Rosamunde Pike gespielt. Ob der Streifen auch in eure queere Filmsammlung passt? „Busenfreundin – das Magazin“ hat ihn für euch gestreamt!

Sie treibt den Enkeltrick auf die Spitze: Marla Grayson (Rosamunde Pike) ist als gerichtlicher Vormund für alte Menschen tätig. Mit Nächstenliebe hat das aber nicht viel zu tun, denn sie schiebt die Rentner:innen ins Altersheim ab, um deren gesamtes Hab und Gut zu verscheuern und davon richtig gut zu leben. So gut, dass sie sogar ein ganzes Büro unterhalten kann und dort andere Betrüger:innen beschäftigt.

Bonnie & Bonnie

Eigentlich hat Marlas Klientel es noch gar nicht nötig, in einem Altersheim gepflegt zu werden – dafür muss sie schon selbst sorgen … Bei den Betrugsmanövern immer an Marlas Seite: Ihre Partnerin Fran (Eliza González). Eine lesbische Beziehung, die herrlich wenig thematisiert wird. Würde es sich um eine heterosexuelle Kriminelle handeln, würde man ihren Freund schließlich auch nicht übermäßig in Szene setzen.

Mit ihrem akkuraten Bob, der vornehmen Blässe und der femininen Eleganz wickelt Marla sämtliche Richter:innen um den Finger – genauso wie das Pflegepersonal und die Mediziner:innen. Sie alle profitieren von Marlas perfidem System.

Aus die Maus

Kompliziert wird es erst, als Marla sich eine rüstige Rentnerin vornimmt. Doch es ist nicht nur Jennifer Peterson (Dianne Wiest), die Marla nach allen Regeln der Kunst gaslightet: Noch viel gefährlicher ist Jennifers Sohn Roman Lunyov (Peter Dinklage aus „Game of Thrones“).

Fast zu spät fällt Marla und Fran auf, dass sie zwar eine Weihnachtsgans ausnehmen – diese Weihnachtsgans aber deutlich reicher ist, als sie sein sollte. Woher stammen also die Diamanten, die Jennifer nirgends gelistet hat und sich dennoch in ihrem Schließfach befinden? Wie wird man den plötzlich auftauchenden Anwalt Dean (Chris Messina aus „The Mindy Project“) los? Und ist das nicht doch alles eine Nummer viel zu groß?

Beeindruckende schauspielerische Leistung

Rosamunde Pike wurde für ihre fulminante Vorstellung in „Gone Girl“ für den Oscar nominiert. Zu dieser Stärke kehrte sie für die Dreharbeiten zu „I Care A Lot“ zurück: Für ihre Darstellung der Marla Grayson gewann sie völlig zurecht den Golden Globe in der Kategorie „Best Actress“.

Auch die Ästhetik dieses Netflix Originals überzeugt auf voller Linie und macht den Film daher äußerst sehenswert. Sterile Pflegeeinrichtungen, bisexuell belichtete Spinningstudios oder das Farbenspiel in Jennifers Wohnung – hier clasht beispielsweise Marlas gelber Powersuit gegen das royalblaue Wohnzimmer. Ein Augenschmaus, der sich vor allem dadurch von anderen Filmen abhebt, dass man das Gefühl hat, in einer ganz anderen Zeit, einer unbestimmbaren Ära, fest zu stecken – wären da nicht die Smartphones.

Achtung, Philosophie (und Spoiler!)

„I Care A Lot“ ist ein ungewöhnlicher Film voller Twists, Turns und schwarzem Humor, was ihn trotz seiner Länge von 118 Minuten kurzweilig macht. Zu Beginn wird unsere unsolidarische Gesellschaft stark kritisiert – bis die Geschichte eine unerwartete Wendung nimmt.

Ein Wermutstropfen bleibt aber: Dass Fran kurzzeitig dem Tod ins Auge blickt, ist leider ein Handlungsstrang, der schon so manche Lesbenlovestory versaut hat. „The 100“, anyone? Warum müssen Busenfreundinnen immer vor der Kamera sterben? Büßen sie hier für ihre Sexualität? Drehbuch und Regie stammen bei „I Care A Lot” auch von einem Mann, vielleicht liegt’s daran.

Das Ende ist zwar genial geschrieben und absolut überraschend, lässt die Zuschauerschaft aber leicht aufgewühlt und frustriert zurück. Am Schluss bleibt die Frage, was man da überhaupt gesehen hat. Es ging ums Fressen und Gefressen werden, soviel ist sicher. Wer auf Spannung steht, kann seine LGBTIQ-Filmsammlung mit „I Care A Lot“ hervorragend komplimentieren.

Streamen könnt ihr „I Care A Lot” übrigens auf Netflix!


Habt ihr „I Care A Lot” bereits gesehen? Wie hat euch der Film gefallen? Verratet es uns in einem Kommentar!


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