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„Ich kann in den Spiegel sehen!” – das Leben von Trans:mensch Jona

Vor ziemlich genau zwei Jahren war Jona bei „Busenfreundin – der Podcast” zu Gast. Damals berichtete Jona von dem schwierigen Weg zu sich selbst. Seitdem hat sich viel getan: die Hormontherapie ist gestartet, die Mastektomie wurde durchgeführt und Jona ist sich näher gekommen. Wir haben Jona gebeten, seine Erfahrungen für „Busenfreundin – das Magazin” nieder zu schreiben. Und hier kommt sein umwerfendes Ergebnis.


Wenn ich so zurückschaue, dann finde ich es manchmal unglaublich, wie viel sich in meinem Leben verändert hat. Gerade in den letzten Tagen habe ich daran gedacht, wie froh ich bin, jetzt an diesem Punkt stehen zu können. Wenn ich überlege, welche Kämpfe mein jüngeres Ich ausgetragen hat, damit ich jetzt hier stehen kann, dann bin ich einfach unglaublich stolz und dankbar. Ich bin froh, diesen Weg gegangen zu sein und ihn auch weiterhin zu gehen.

Die ersten Schritte

Jetzt hat sich all das, was ich zu fühlen hoffte, bestätigt. Die Hormontherapie zu machen war genau der richtige Schritt für mich. Ich wusste es schon, bevor ich damit angefangen habe, aber nun kann ich es erleben. Jetzt kann ich wahrnehmen, wie viel wohler ich mich in meinem Körper fühle, seitdem ich 2018 mit meiner Hormontherapie begonnen habe. Meine Körperbehaarung, meine Stimme, meine mentale Gesundheit und mein Körpergefühl haben sich verändert, aber auch die Art und Weise, wie ich von anderen Menschen gelesen und welchem Geschlecht ich von ihnen zugeordnet werde. Mit jedem Monat, der verging, kam ich mir selbst immer näher. Aber nicht nur äußerlich. Vor allem innerlich hat sich viel für mich verändert.

Ich kann mich jetzt selbst im Spiegel erkennen und sehe nicht mehr einen Menschen, der ich eigentlich gar nicht bin. Auch meine Mastektomie war für mich deshalb genau der richtige Schritt. Endlich fühlt sich der Blick auf meinen Oberkörper stimmig an. Eben so, wie es schon immer hätte sein sollen. Für mich waren all diese Schritte meiner Transition unglaublich wichtig, aber sie sind nicht alles gewesen. Denn ohne immer mehr Akzeptanz für mich selbst und ohne meine persönliche Weiterentwicklung hätte ich die äußerlichen Veränderungen innerlich für mich nicht so annehmen können. Heute bin ich froh, trans* zu sein, und ich kämpfe nicht mehr gegen mich selbst an.

Schritt an die Öffentlichkeit

Vor Beginn meiner Hormontherapie habe ich das zum Teil noch gemacht. 2018 war sowieso ein verrücktes Jahr für mich. Ich war das erste Mal in einem Podcast zu Gast und sprach öffentlich darüber, wie es ist, trans* zu sein, obwohl ich auch Angst vor diesem Schritt hatte. Ich weiß noch, wie aufgeregt und zugleich voller Vorfreude ich war. Auch schon vor der Podcastaufzeichnung mit Ricarda wusste ich irgendwie, dass mir das Ganze riesigen Spaß machen würde. Als ich dann später in diesem Jahr meine Hormontherapie startete, überlegte ich schließlich, wie ich meine medizinische Transition mit Testosteron dokumentieren wollte. Ich entschied mich für Fotografien und Podcastfolgen.

Die Erfahrung bei „Busenfreundin – der Podcast“ hat mich inspiriert und so habe ich selbst einen Podcast gestartet. Ich beschloss meine Scham und meine Angst, was „die Anderen“ sagen würden, über Bord zu werfen und mich mit meinem eigenen Podcast „genderme“ Trans*-, Inter*- und generell queeren Themen zu widmen. In den Einzelfolgen begleite ich meine medizinische Transition mit Testosteron und berichte Monat für Monat darüber, was sich alles verändert hat. Ein weiterer Bestandteil von „genderme“ sind die Interviewfolgen. Hierzu lade ich immer wieder unterschiedliche Menschen ein und gebe ihnen die Plattform, ihre persönliche Geschichte zu erzählen, aber auch über unterschiedliche Themen aus den besagten Bereichen zu sprechen.

Ich bin dankbar dafür, dass ich durch den Podcast immer wieder neue Menschen und ihre Sicht auf die Welt kennenlernen kann. Es ist ein toller Austausch, wenn ich mit eingeladenen Personen spreche oder mir Menschen schreiben und von ihren eigenen Erfahrungen berichten; wenn sich Erfahrungen ähneln oder doch ganz unterschiedlich sind. Durch meine persönlichen Erlebnisse aus den letzten Jahren und vielen Outinggesprächen habe ich erfahren, wie viel Aufklärungsbedarf es noch gibt. Ich hoffe, dass ich mit meinem Podcast „genderme“ einen kleinen Teil dazu beitragen kann.


Was denkt ihr über Jona’s Geschichte? Seid ihr selber trans* und wollt eure Erfahrungen mitteilen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!


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Sarah-Busenfreundin-das-Magazin
Autorin: Sarah

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