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„In Berlin ist es cool, lesbisch zu sein“: Hanna Batka im Interview

Autorin: Simone Bauer

Am 29. März veröffentlicht Singer-Songwriterin Hanna Batka ihr Debütalbum. Die 20-Jährige, die  2019 mit dem Werbesong „We Are“ auf sich aufmerksam machte, steht im dazugehörigen Musikvideo offen zu ihrer Homosexualität. Ob sie deshalb Anfeindungen erlebt, wie sie zu Berlin steht und was sie zu ihren Songs inspiriert? Das klären wir im exklusiven Interview!

Hanna Batka, die bereits im Vorprogramm von Christina Stürmer spielte, kann nicht nur singen, sondern spielt auch Klavier, Gitarre und Geige. Kein Wunde: Ihre Eltern sind Profimusiker:innen an der Komischen Oper und sie selbst besuchte das Musikgymnasium in Berlin-Friedrichshain.

Photo credits by Marco Sensche

Auf ihrem ersten Album zeigt sie nun ihre große musikalische Bandbreite. Zwar kommt die Akustikgitarre fast immer zum Einsatz, doch Hanna kann auch tanzbaren Rock’n’Roll („Du fliegst hoch“) oder dramatische Balladen („Einfach Glück“).  Und auf Instagram covert sie noch immer fleißig Songs ihrer Idole.

Busenfreundin-Magazin: Hallo Hanna! Da du heute bei „Busenfreundin” im Interview bist, die obligatorische erste Frage – wie stehst du zum Wort „Lesbe“? Busenfreundin-Gründerin Ricarda hat den Namen ja gewählt, weil sie „Lesbe“ nur so semi findet.

Hanna Batka: Ja, ich muss sagen, ich sehe es leider genauso: Ich nehme das Wort auch nicht gerne in den Mund. Ich sage eher „Ich stehe auf Frauen!“ oder „Ich bin gay!“. Das Wort „lesbisch“ geht mir einfach nicht über die Lippen, so, als wären wir Hexen … (lacht) Das hat so viele scharfe Laute.

Busenfreundin-Magazin: Im Englischen ist es sehr viel weicher!

Hanna Batka: Voll, find ich auch – auf jeden Fall!

Busenfreundin-Magazin: Wann hast du dich geoutet und hattest du die Möglichkeit in Betracht gezogen, es für deine Karriere möglicherweise nicht zu tun?

Hanna Batka: Ich habe auf jeden Fall mit dem Gedanken gespielt. Als ich mich geoutet habe, war ich 14.  Mit 16 habe ich dieses Projekt angefangen und damals gab es noch nicht so wirklich eine lesbische Sängerin auf dem deutschen Markt. Ich habe mich mit meinem Produzenten zusammengesetzt und wir haben überlegt: Machen wir das öffentlich? Verlieren wir potentielle Fans? Verlieren wir die Männer?

Wir haben uns also unsere Gedanken gemacht, aber ich war eigentlich immer dafür, dass wir es öffentlich machen. Ich habe da gar kein Problem gesehen. Und ich habe auch keinen Bock, den Leuten irgendetwas vorzuspielen oder von mir zurückzuhalten. Es würde sich auch nicht gut anfühlen, so zu tun, als würde ich auf Männer stehen.

Busenfreundin-Magazin: Wie sind bislang deine Erfahrungen als lesbische Sängerin auf dem deutschen Markt ?

Hanna Batka: Ich muss sagen, es ist super entspannt! Ich bekomme eigentlich gar keinen Hate diesbezüglich. Ich bin gespannt, wie das wird, wenn meine Abozahl ein bisschen wächst.
Einmal hatte ich einen TikTok-Livestream, der von TikTok beworben wurde, und da waren zweitausend Leute drin, die mir nicht folgen. Da habe ich schon krass gemerkt – da war ich auch etwas schockiert –, dass ich so viel Hate bekommen habe, rein weil ich homosexuell bin. „No homo!“ und „Raus hier!“ … und ich dachte mir nur so „Crazy!“.

Das hat mich voll geschockt, weil ich in Berlin einfach gar nicht damit konfrontiert werde. Hier ist es so cool, einfach lesbisch zu sein, ist gar kein Ding. Aber im Livestream war auch meine Freundin dabei und wir haben einfach so weitergemacht. Wir haben da bewusst nicht drüber geredet, „Jetzt erst recht!“. Anonymer Hate im Internet ist einfach so lächerlich! Die fühlen sich dann so stark, wenn die hinter ihren anonymen Accounts sind. Diskussionen bringen da gar nichts. Wir haben es dann einfach ignoriert.

Busenfreundin-Magazin: Wie war dein erster Schritt in Richtung Rampenlicht? Stimmt es, dass du über deine YouTube-Cover von Justin Bieber entdeckt wurdest?

Hanna Batka: Das kann man auf jeden Fall so sagen, aber auch, dass der Produzent, der mich entdeckt hat, ein Kumpel von einem Studienfreund meines Papas ist. Da gab es schon einen Kontakt. Aber der Studienfreund hat es dem Produzenten gezeigt, ohne, dass wir davon wussten. Damals waren meine Eltern noch voll mit im Boot, weil ich ja nicht volljährig war.

Der Produzent rief also an, nachdem er meine YouTube-Cover von größtenteils Justin Bieber gesehen hatte, und meinte, dass er meine Ausstrahlung und wie ich singe und wie ich es rüberbringe ganz toll findet. Er hat mich dann gefragt, was ich beruflich machen will – ich hatte in dem Alter bereits den Wunsch, Sängerin zu werden. Aber ich hatte es nie nach außen kommuniziert, nie mit meinen Eltern darüber geredet. Es war affig von mir, aber es war voll der Traum – ich dachte halt, die lachen mich aus, weil ich einen Traum hatte wie ein kleines Mädchen.

Als ich ihm antwortete, war es das erste Mal, dass ich das sagte, und meine Eltern wussten es noch gar nicht. Er hat mich noch gefragt, ob ich einen Plan B habe. Hatte ich tatsächlich gar nicht. „Was könnte man nur für einen Beruf machen?“. Ich war in der Berufsberatung in der Schule und hatte überhaupt keinen Plan. Ich wollte einfach Sängerin werden. Und darum bin ich so happy.

Busenfreundin-Magazin: Lustig, dass du dein Coming-out so früh hattest, aber nichts zu deinem Traumberuf gesagt hast!
Hanna Batka: Stimmt! (lacht)

Busenfreundin-Magazin: Dein erstes Album heißt „Mitten in Berlin“. Du wurdest auch in der Hauptstadt geboren und großgezogen. Wünschst du dir, du könntest Berlin so entdecken, wie alle, die extra dorthin ziehen?

Hanna Batka: Man hat einen ganz anderen Einblick in die Stadt, weil man hier wohnt, das stimmt schon. Ich finde das so verrückt, wenn Leute sagen, sie fahren in den Urlaub nach Berlin. Die vielen Touristen sind schon crazy für mich, weil das mein Zuhause ist! Aber die Sightseeing-Welt ist anders. Wenn man hier wohnt, kriegt man viel mehr mit, was bei den Leuten untereinander abgeht. Man kennt halt auch die Warschauer Straße, die Nebenstraßen; die sind übel mit geilen Bars und nicen Restaurants und die Leute sind so chillig drauf. Es ist wahrscheinlich besser, wenn man hierher kommt, aber schon Freunde hat, die einen mitnehmen.

Busenfreundin-Magazin: „Ganz egal, wie oft du es brichst, mein Herz zerstörst du nicht.“ – der Text zu „Drachenblut“ trift ins Herz. Woher nimmst du die Inspiration für deine Lyrics?

Hanna Batka: Der Song handelt von einem On-Off-Ding und war einer der ersten Songs, die ich geschrieben habe. Das war damals ganz lustig, denn ich hatte schon meinen Produzenten und wusste, ich gehe ins Studio und werde Songs schreiben. Aber ich hatte zuvor noch nie einen Song geschrieben, sondern nur die Cover gemacht!

Das war so ein Tag, da kam ich nach Hause und hatte ein beschissenes Treffen mit ihr. Das hat mich so runtergezogen, dass ich die Situation nutzte und runterschrieb, was ich fühle. So schreibe ich Songs: Einfach in mich reinhören und aufschreiben, was ich  denke und was mich beschäftigt. Die Bilder kommen dann von alleine. Ich habe gemerkt, dass es mir so gut tut, das alles aufzuschreiben. Manchmal tippe ich in mein Handy, was ich so denke und dann fühle ich mich auch irgendwo viel befreiter.

Busenfreundin-Magazin: Wie ist es, zu hören, dass Detlev Buck den eigenen Song für einen Soundtrack haben möchte? („Du fliegst hoch“ für „Rocca verändert die Welt“)

Hanna Batka: Richtig krass! Das war das Erste, was ich geschafft habe. Das war super crazy! Ich weiß noch, wie ich mit meinem Manager vor einem wichtigen Meeting in der Lobby saß  und er meinte, der Song sei im Gespräch für einen Kinofilm. „Als ob!“. Ich hatte ja noch gar nichts releast.

Busenfreundin-Magazin: Du hast zu einigen deiner Songs Musikvideos gedreht. Was ist für dich das Reizvolle daran?

Hanna Batka: Es macht mir richtig dolle Spaß. Ich finde das ganz cool, weil man so neben dem musikalischen noch anderes verwerten kann; wie man sich darstellen will. Und man kann eine andere Perspektive reinbringen, sich anders präsentieren. Es macht mir Todesspaß, mir zu überlegen: „Was könnte zu dem Song passen?“

In meinem letzten Musikvideo zu „Mitten in Berlin“ trug ich kurzärmelig und es war mitten im Winter. Minus 3 Grad! Und ich in kurzen Ärmeln! Ich habe mir Taschenwärmer mitgenommen und die sogar auf meine Nase gehalten, weil es so kalt war. Kennst du diese Teile aus der Apotheke? Die hat mir meine Mama geholt und ich habe sie mir dann auf den Rücken geklebt, um warm zu werden.

Busenfreundin-Magazin: Apropos Mode – geiler Eyeliner! Überhaupt kleidest du dich mega stylisch.

Hanna Batka: Danke! Ich mache mein Make-up seit drei Jahren gleich, habe ich das Gefühl. Mit dem Eyeliner habe ich mit 16 angefangen und das Auftragen jeden Tag geübt, bis das so on fleek sitzt. Inzwischen schaffe ich das so schnell. Ich weiß noch, am Anfang vor der Schule: Tausend Mal abwischen und wieder neu … Ich habe das große Glück, dass meine Freundin sich so sehr für Mode interessiert und da voll den Durchblick hat. Sie macht meine Outfits. Darum Danke an meine Freundin!

Busenfreundin-Magazin: Und wir danken dir, Hanna, für das Interview!


Wie findet ihr Hanna und ihre Musik? Welche ihrer Songs gefallen euch besonders? Hinterlasst uns einen Kommentar!


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