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#PaulaHatZweiMamas: Elternschaft muss selbstverständlich sein

#PaulaHatZweiMamas sorgte in den sozialen Medien für viel Aufsehen: Familie Akkermann ist vor Gericht gezogen und klagt gegen Diskriminierung, die Regenbogenfamilien in Deutschland erleben müssen. Einen tieferen Einblick in die erlittenen Diskriminierungserfahrungen und die Klagegegenstände geben wir euch in unserem Interview mit der Initiative NoDoption!

Über das aktuell geltende Abstammungsrecht haben wir in der vergangenen Woche im Artikel „Mutter, Mit-Mutter, Kind: Wie funktioniert Abstammungsrecht?” ausführlich berichtet. Klickt euch rein, wenn ihr mehr über die rechtlichen Hintergründe erfahren wollt!

Die deutschlandweite Initiative NoDoption setzt sich für betroffene Familien ein, um mittels einer strategischen Prozessführung rechtliche Änderungen zu erwirken. Welche Herausforderungen es aber mit sich bringt, wenn man die Stiefkindadoption nicht stillschweigend akzeptiert, berichtet uns Christina. Christina hat NoDoption zusammen mit ihrer Frau initiiert.

In unserem Interview erfahrt ihr, warum sich gleichgeschlechtliche Elternpaare vom aktuell geltenden Recht diskriminiert fühlen und warum es so wichtig dagegen anzukämpfen.

Busenfreundin-Magazin: Christina, du und deine Frau habt euch entschieden gegen das geltende Abstammungsrecht und die Gesetzeslage in Sachen Stiefkindadoption zu klagen. Was waren eure Beweggründe und was möchtet ihr damit erreichen?

Christina: Das aktuell geltende Recht verletzt die Grundrechte unseres Sohnes und unsere eigenen, wodurch wir uns nicht bloß diskriminiert „fühlen“, sondern es tatsächlich werden. Bei gemischtgeschlechtlichen Paaren wird die Besetzung der zweiten Elternstelle entweder Kraft einer bestehenden Ehe vorgenommen oder per einfacher Anerkennung und ist insbesondere nicht an eine biologische Elternschaft geknüpft.

Hier geht es nicht darum die biologische Abstammung zu prüfen, sondern um eine Absicherung des Kindes und der Elternteile. Die Tatsache, dass unser Kind hier ab Geburt lediglich ein rechtliches Elternteil hat und die Kinder gemischtgeschlechtlicher Paare zwei, obwohl kein sachlicher Grund für eine Benachteiligung vorliegt, ist eine von mehreren nicht hinnehmbaren Grundrechtsverletzungen.

Der Hintergrund ist hier, dass – wie in unserem Fall – keine andere Person, insbesondere der Samenspender, rechtlicher Elternteil werden kann. Für Samenspender gibt es nämlich keine Möglichkeit der Feststellung der Elternschaft, da dies gesetzlich ausgeschlossen ist. Es gibt also nur die biologische Mutter, in unserem Fall meine Frau, die unser Kind geboren hat.

Zudem gibt es bei uns keine andere Herkunftsfamilie, wie bei klassischen Adoptionen, die ein Kind zur Adoption freigibt.

Busenfreundin-Magazin: Warum habt ihr euch gegen die Stiefkindadoption entschieden?

Christina: Außer mir gibt es kein zweites Elternteil, das Verantwortung für unser Kind übernimmt. Im Rahmen der Stiefkindadotion müsste ich nachweisen, dass ich für die Elternschaft meines Sohnes auch wirklich geeignet bin – als würde ich ein fremdes Kind adoptieren. Da unser Sohn in unsere Ehe geboren wurde und keine andere Familie als uns hat, ist ein Adoptionsverfahren für unsere Familiensituation vollkommen ungeeignet. Hier werden teils sehr umfassende Gesundheitsgutachten, wie beispielsweise ein HIV-Test, psychologische Gutachten und Führungszeugnisse eingefordert. Zudem finden Befragungen zur Entstehung und dem Verlauf unserer privaten Beziehung statt. Dies ist ein wirklich demütigender Prozess.

„Solange es hier keine rechtliche Lösung gibt, werden immer wieder Kinder und Familien diskriminiert:”

Christina von NoDoption

Zudem kann eine Stiefkindadoption häufig nicht direkt nach der Geburt durchgeführt werden, da sich das „Eltern-Kind-Verhältnis“ erst etablieren soll. Das ist in unserem Fall völlig verfehlt. Eine Lösung dieser andauernden Grundrechtsverletzungen wird seither versprochen, jedoch nicht durchgeführt. Solange es hier keine rechtliche Lösung gibt, werden immer wieder Kinder und Familien diskriminiert. Aufgrund dessen haben wir keine Einsicht mehr und haben Klage eingereicht. Es ist ein gutes Gefühl, die Demütigung von Adoptionsverfahren nicht einfach machtlos hinzunehmen, sondern die Sache bis zu einem gewissen Grad in die eigenen Hände nehmen und sich wehren zu können.

Busenfreundin-Magazin: Was fordert ihr konkret und was ist Gegenstand eurer Klage?

Christina: Wir fordern nicht bloß die Abschaffung der Stiefkindadoption und die Anerkennung der Mutterschaft von Geburt an. Das ist lediglich Inhalt unserer gerichtlichen Verfahren, die aus juristischen Gründen jeweils nicht einen ganzen Forderungskatalog enthalten, sondern speziell auf unsere Familiensituation zugeschnitten sind. Rechtlich argumentieren wir hier mit einer analogen Anwendung des § 1592 BGB, wodurch die Grundrechte unseres Kindes verletzt werden.

Was wir fordern ist eine umfassende Reform des Abstammungsrechts insgesamt, so dass hier auch für andere Familienkonstellationen, beispielsweise für Mehrelternfamilien oder trans Menschen, endlich realitätsnahe Regelungen getroffen werden können.

Busenfreundin-Magazin: Was ist das Schlimmste was euch in diesem Zusammenhang widerfahren ist?

Christina: Dass wir aufgrund der andauernden Untätigkeit gezwungen werden, Zeit und Geld aufzuwenden und mit rechtlicher Unsicherheit leben müssen, um das zu bekommen, was für andere Paare selbstverständlich ist: Elternschaft. Das ist vor dem Hintergrund, dass schon unsere Familiengründung mit ganz erheblichen Kosten verbunden war, bei der uns von staatlicher Seite ebenfalls keine Unterstützung zukam, besonders bitter.

Busenfreundin-Magazin: Eine letzte Frage: Woraus schöpft ihr die Kraft nicht aufzugeben und für euer Recht zu kämpfen?

Christina: Wir ziehen die Kraft aus den positiven Rückmeldungen weiterer betroffener Familien und dem Austausch untereinander. Zudem treibt uns unsere lebenslange Diskriminierungserfahrung an, hier nicht nachzugeben.


Wir danken Christina für das spannende Interview, auch wenn es den Grund dafür nicht geben sollte. Für den Gerichtstermin am 01.04.2021 wünschen wir der Familie ganz viel Kraft und Zuversicht!


Wie denkt ihr über die derzeitige Gesetzeslage? Oder habt ihr selbst schon Diskriminierung auf eurem Weg zur Elternschaft erlebt? Schreibt uns gerne in den Kommentaren!


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Autorin: Marei

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