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Ok, krass!

Let it go: Warum wir eine queere Disneyprinzessin brauchen

Disneyprinzessin Elsa sollte sich in eine Frau verlieben und mit ihr glücklich werden – zumindest, wenn es nach der queeren Community ginge. Nicht ohne Grund: Elsas Erlebnisse erinnern stark an einen Coming-out-Prozess. Was das mit Konversionstherapien zu tun hat, warum manche Feminist:innen Disney-Filme per se ablehnen und ob wir queeren Kitsch wirklich brauchen? Das klären wir in „Busenfreundin – das Magazin”!

Ein Gastbeitrag von Steffi Junk

Als die ersten Trailer zu „Frozen 2″ erschienen, hielt die gesamte Busenfreund:innen-Community den Atem an. Sollte endlich wahr werden, wovon die LGBTIQ+-Welt nicht einmal zu träumen wagte? Würde Disney endlich eine explizit queere Identifikationsfigur auf die Leinwand bringen? Würde Elsa – die progressive Vorzeigeprinzessin – eine Freundin bekommen?

Konversiontherapie & Coming-out

Abgesehen davon, dass Elsa als bisher einzige Prinzessin der Disneygeschichte ohne Prince Charming auskam, strotze ihr gesamtes Narrativ geradezu vor Gay-Subtext. 

Nicht nur innerhalb der Community stießen die zahlreichen queeren Bezüge auf Resonanz: Sie wurden auch Gegenstand wissenschaftlichen Interesses. So lässt sich beispielsweise die von ihren Eltern erzwungene Isolation Elsas als Verweis auf ein Leben im „queer closet“ lesen. Das geht unter anderem aus einem Artikel von Daniel Matos hervor, der als Professor für Jugendliteratur, Queer Studies und Filmkultur an der San Diego State University tätig ist.

Aus seiner Sicht genügen die im Film implizierten Gründe – etwa die von Elsas Kräften ausgehende Gefahr der Selbst- und Fremdgefährdung – nicht, um das unterdrückende Verhalten der Eltern zu rechtfertigen. Vielmehr erkennt er darin erschreckende Parallelen zu sogenannten Konversionstherapien. Diese sollen dazu dienen, die sexuelle Orientierungen oder das geschlechtliche Identitätsempfinden von Menschen gezielt zu verändern. In Deutschland wurden solche Therapien übrigens erst 2020 verboten – und das nur für Minderjährige.

Aus dieser Perspektive betrachtet, drängt sich der oscarprämierte Titelsong „Let it go“ aus „Frozen 1″ geradezu als Coming-out-Hymne auf:

„Don’t let them in, don’t let them see
Be the good girl you always have to be
Conceal, don’t feel, don’t let them know
Well, now they know“

„Lass sie nicht rein, lass sie nicht sehn’
Wie du bist, nein, das darf niemals geschehn’
Du darfst nichts fühln’
Zeig ihnen nicht dein wahres Ich”

Elsa, bist du gay? Bist du?

Trotz aller Hinweise wissen wir immer noch nicht mit Sicherheit, ob Elsa gay ist. Denn obwohl die besonders Fantasievollen in Elsas Namen ein Anagramm der ersten Hälfte des Wortes „Lesbe” (englisch: „lesbian”) erkennen wollen, bleibt ihre sexuelle Orientierung auch in „Frozen 2″ im Subtext gefangen. Wenn auch deutlich weniger subtil.

Die Gaydars dieser Welt explodieren wahrscheinlich immer noch jedes Mal, wenn Elsa in „Into the Unknown“ eine Gefühlslage besingt, die queere Menschen nur allzu gut als eigenen Prozess des inneren Coming-out wiedererkennen. Ebenso, wenn sich die Spannung  mit „Show Yourself“ in einem fulminanten Finale entlädt, das ein äußeres Coming-out par exellence darstellen könnte. Und das unter den Augen einer wohlwollenden und akzeptierenden Mutter posthum. Dass eben dieser Part von der queeren US-amerikanischen Schauspielerin Evan Rachel Wood gesungen wurde, setzt dem ganzen die Eiskrone auf. Leute, besser wird’s nicht!

Aber expliziter eben auch nicht.

Die letzte Bastion der Heteronormativität

Es ist zum Haare raufen! Scheinbar ist der Disneyfilm – neben der Katholischen Kirche – die letzte Bastion der Heteronormativität.

Aus einem feministischen Blickwinkel wird gerne argumentiert, dass die innerhalb dieser Filme reproduzierten Beziehungsmodelle oft ohnehin rückständig und frauenverachtend seien – die Lesben dieser Welt könnten also fast froh sein, kein Teil davon zu sein. Und natürlich ist die Frage gerechtfertigt, ob die geschwisterliche Liebe zwischen Elsa und Anna nicht eine pädagogisch weitaus wertvollere Message transportiert, als die ewige Mär von der großen Liebe. 

Aber Fakt ist doch: Kinder lieben Märchen und Happy Ends! Sie freuen sich in der Regel nicht darüber, ausgeschlossen zu werden. Und in den seltensten Fällen sind sie Feminist:innen. Ist es da nicht ungerecht – wenn nicht sogar unverschämt – solche platonischen Plattitüden als einzige Alternative zur heteronormativen Beziehung zu präsentieren? Warum sollten queere Kids nicht dasselbe Recht auf die kitschüberladene Romantik einer lebensverändernden Liebe auf der Leinwand haben, wie alle anderen auch? 

Kitsch, Kitsch und noch mehr Kitsch!

Elsa erhält den Kuss der wahren Liebe von ihrer Schwester. An dieser Botschaft ist erst einmal nichts Verwerfliches. Allerdings erhält Elsa diesen schwesterlichen Kuss während Anna den Mann fürs Leben kennenlernt. Kann das Plädoyer für’s glückliche Singledasein vor diesem Hintergrund nicht auch anders gelesen werden? Müssen Busenfreund:innen sich etwa mit dem Gedanken anfreunden, sich mit Geschwisterliebe – oder der Liebe von 20 Katzen – zufriedenzugeben, während die Heteroprinzessin eine Traumhochzeit bekommt?

Wir finden: Nein! Her mit dem Kitsch für alle! 

Solange die Sparte „Happily ever after” von der Filmbranche noch bedient wird – und das wird sie wahrscheinlich noch sehr lange – sollte auch queeren Charakteren dieses märchenhafte Glück zuteilwerden. Damit alle Kinder – und mehr Erwachsene, als es zugeben würden – eine Identifikationsfigur zum Träumen und Schwärmen finden können. Denn die harte Realität kommt früh genug. In diesem Sinne, liebe Traumfabriken: Traut euch einfach und let it go!


Eure Meinung? Wollt ihr mehr queere Held:innen in Disney-Movies? Schreibt uns in den Kommentaren!


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8 comments

  1. Ja! Genauso! Her mit den Queeren Disney Protagonist:innen! So wie in Soul … Der erste schwule und gleichzeit BPOC Protagonist in einem Disney Film.

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