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„Endlich ich!” – Schlagersänger Matt Stoffers über sein Outing

Coming Out Day – ein Tag, der bereits in vielen Leben für Aufregung, Anspannung, Tränen und Erleichterung sorgte. Auch Personen des öffentlichen Lebens haben zeitweise hart für ein Leben zu kämpfen, in dem sie sich nicht verstecken müssen und einfach sie selbst sein können. Besonders hart trifft es dabei nicht nur den Fußball, sondern beispielsweise auch den Schlager. Wie sich das Outing als Schlagerstar anfühlt, berichtet Matt Stoffers von der Band Feuerherz exklusiv hier, in „Busenfreundin – das Magazin”!

Der glückliche Blick ist nicht zu übersehen. Ein Kuss, ein Grinsen – die Liebe springt dem Zuschauer fast entgegen. Nichts Besonderes, denkt ihr euch vielleicht. Doch dieses auf Instagram veröffentlichte Video ist in der Tat besonders: Matt Stoffers küsst in diesem Video einen Mann. Sein Outing in den sozialen Medien vor einigen Tagen ist ein wichtiger Schritt – für ihn persönlich, aber auch für die Welt der Musik. Denn Matt ist Sänger bei der Gruppe Feuerherz, einer niederländischen Schlager-Band.

Der Weg zum Coming Out des Sängers war nicht immer einfach. „Mein kleiner Bruder hat es als erster bemerkt, weil ich mit einem Freund von der Arbeit (wo er auch gearbeitet hat) telefoniert habe und mein Bruder immer alles heimlich mitgehört hat. So hat er mitbekommen, dass wir uns zu einem Date verabredet hatten. Anschließend kam er in mein Zimmer gestürmt und meinte ‘Aber Matt, warte mal, das ist doch ein Typ?’ Ich: ‘Ja.. das stimmt, ich erkläre dir das noch, aber sag bitte nichts zu unseren Eltern’.” Nach dem Date erzählte Matt seiner Mutter davon, mit rund 17 Jahren outete er sich schließlich vor seiner Familie. Die Reaktionen auf sein Outing waren gut, doch „den Step überhaupt zu machen war kein Fest für mich”.

Angst machte ihm vor allem die Reaktion seines Vaters. Während seine Mutter die News nach dem ersten Schock gut aufnahm, ihn umarmte und sagte, dass es egal sei und sie es sich ohnehin bereits gedacht habe, war der Schritt, seinen Vater einzuweihen, schwieriger für Matt. „Ich fand es extrem schwer ihm das zu sagen, mein Vater ist eine richtig autoritäre Persönlichkeit, er hat dann aber auch anders reagiert als ich vielleicht dachte und hat dann sogar vorgeschlagen, dass wir es der ganzen Familie sagen”. Das wollte Matt zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

„You can’t take back the time that is lost!”

Wieso der Schlagerstar jetzt diesen Schritt ging? „Vorher hat es sich noch nicht nach dem richtigen Zeitpunkt angefühlt. Ein Coming Out macht man zuallererst für sich selbst und nicht für jemand anderen. Ich war selbst vielleicht schon so weit, aber noch nicht, wenn es darum ging, dass die ganze Welt es weiß.” Die Angst, von den Menschen nicht akzeptiert zu werden und seine Chancen in der Musikbranche zu reduzieren, waren zusätzliche Sorgen, die Matt mit sich herum trug. Als Mitglied der Band Feuerherz änderte sich das: Dort „ging es nicht nur um mich, sondern um die ganze Band und das ganze Team”. Den endgültigen Push gab das Wiedersehen mit seinem Ex-Freund in Portugal. „Nach einem sehr schönen Abend kam auch dieses Video wieder hoch und wir meinten eigentlich schade, dass die Welt unsere Liebe nicht gesehen hat”.

Die Schlagerszene sieht Matt nicht mehr als Hindernis. Aktuelle Entwicklungen deuten auf eine positive Wendung zu Offenheit und Toleranz: „Mein holländischer Schlager-Kollege und Freund Eloy de Jong hat hier schon einiges an Vorarbeit geleistet. Ich habe mich inspirieren lassen von seinem Aufritt mit ‘Egal was andere sagen’ bei Florian Silbereisen. Wir haben viel über diese Dinge gesprochen und das hat mir sehr geholfen”.

Auch Künstler wie Ross Antony und Kerstin Ott dürfe man nicht außer Acht lassen: Die Tür zu bunterem, vielseitigerem Schlager öffnet Türen. Die Angst, abgelehnt zu werden, sei ein Grund dafür, dass es im Schlager bisher nur wenige geoutete Homosexuelle gebe. „Aber da muss man einfach denken, die Leute müssen uns lieben und feiern, weil wir der sind, der wir sind, und wegen der Musik, die wir machen.”

„Just be you, they would love ‘the real you’ the most.”

Outing, das ist kein Sprint. Es ist ein Marathon. Wichtig, so betont Matt, sei der eigene Umgang damit. „Es wird nicht bei einem Outing bleiben. Neue Freunde, neue Kollegen, die in dein Leben treten, jeder, den man neu kennen lernt – aber es wird immer einfacher. Wenn du es krass verheimlichst und ein großes Ding daraus machst, dann wird das bei den meisten Leuten auch so rüberkommen. Wenn du einfach und leicht mit der Sache umgehst, werden die meisten damit auch kein Problem haben.”

Authentisch durchs Leben zu gehen, das steht für den Musiker außer Frage, ist das Wichtigste. Auch Transsexualität in der Schlagerszene sieht er mittlerweile nicht mehr als Problem. „Why not? Viele Schlagerfans werden es vielleicht niemals bemerken. Showbiz is Showbiz und der Schlager liebt es.”

Seinen Beschluss, das Video zu posten, hat er nicht bereut: Auf Instagram erreichten ihn zahlreiche Nachrichten, in denen seine Follower ihre Geschichte teilten und sich für seinen Mut bedankten. Die Hilfe, die sein offizielles Outing für viele junge Queers darstellt, wurde komplett positiv angenommen. Matt ist darüber erleichtert. „Um ehrlich zu sein, es gibt eigentlich nie den perfekten Zeitpunkt für sowas, aber wenn es sich richtig anfühlt, dann muss man das einfach machen”.


Haltet ihr die Schlagerszene für bereit, die bunte Vielfalt zu tragen? Oder glaubt ihr, es braucht noch Zeit dazu? Und was könnte dabei helfen? Schießt los und schreibt uns eure Gedanken dazu in die Kommentare!


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Autorin: Debbie

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