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“Meine Zwillingsschwester ist auch gay!”

Emma ist gay. Genauso wie ihre Zwillingsschwester Emily, die nur eine Minute vor ihr zur Welt kam. Ein großer Zufall oder doch genetisch begründbar? Und wie war das alles für Emmas und Emilys Eltern? Das klären wir jetzt – in „Busenfreundin – das Magazin”. 

Busenfreundin-Magazin: Wenn die Zwillingsschwester sich bei den Eltern outet, macht es das Ganze für einen selbst einfacher oder schwieriger?

Emma: Mein Outing vor der Familie war um einiges einfacher als das von meiner Schwester.  Sie hat sich ein paar Monate vor mir bei unserer Mutter geoutet, doch leider zu einem wirklich schlechten Zeitpunkt.

Busenfreundin-Magazin: Wie kam es zum Outing Deiner Schwester?

Emma: Emily hatte das Wochenende zuvor eine „gute“ Freundin als Übernachtungsgast bei uns im Elternhaus. Ich weiß nicht, was es war, aber unsere Mutter bemerkte etwas – vielleicht war es die Justin-Bieber-Gedenkfrisur (ich darf es sagen, die hatte ich auch für einige Zeit) oder die verliebten Blicke, die sie sich am Frühstückstisch zugeworfen haben. Unsere Mutter warnte Emily kurz danach, dass sie aufpassen solle, da diese Freundin wohl „etwas mehr“ möchte. 

An einem Tag diskutierte meine Familie heiß über diese Freundin in unserer WhatsApp-Gruppe. Meine Mutter wollte wissen, was denn nun wirklich dahinter stecke. So kam das Outing per Text-Nachricht und Mama hatte einen „kleinen“ Nervenzusammenbruch auf der Arbeit. 

Busenfreundin-Magazin: Wie war die Reaktion eurer Eltern danach?

Emma: Unsere Eltern haben wirklich nicht optimal reagiert, es wurde viel geweint und sie haben ihre Enttäuschung deutlich gezeigt. Unser Papa war verwirrt, warum ich denn auch so traurig sei, da es mich doch nicht betreffe. Es war echt hart und die ganze Hoffnung auf ein wenig „Normalität“ lag auf meinen Schultern. 

Letztes Jahr haben sich die beiden bezüglich ihrer schlechten Reaktion entschuldigt. Nichtsdestotrotz haben sie im selben Atemzug darauf hingewiesen, dass sie es weiterhin nur „tolerieren, aber nicht akzeptieren“.

Ich finde es zwar schade, jedoch könnte es auch so viel schlimmer sein. Die beiden sind wirklich nett zu unseren Freundinnen, es wird sich gut unterhalten und zu deren Geburtstagen und anderen Feiertagen gibt es auch Aufmerksamkeiten für alle. Nur ganz tief im Inneren wünschen sich die beiden noch immer Männer an unserer Seite.

Busenfreundin-Magazin: Die News waren jetzt bei Deiner Schwester raus. Wie bist du mit Deinem Outing nachgezogen?

Emma: Ich habe irgendwann einfach mein WhatsApp-Profilbild mit einem Bild von mir und meiner damaligen Freundin ausgetauscht – kein Kussbild, sondern einfach nur ein Bild von uns beiden nah beieinander stehend. Meine Mutter sprach mich darauf an. Ich erklärte ihr, dass es meine Freundin sei. Sie reagierte etwas enttäuscht und argumentierte damit, dass wir im Leben etwas verpassen würden.

Es breitete sich wie ein Lauffeuer in der Familie aus. Ich musste es keinem mehr erzählen, noch nicht einmal mehr unserem Vater, alle wussten Bescheid. 

Busenfreundin-Magazin: Wie hast Du mit deiner Zwillingsschwester darüber gesprochen?

Emma: Emily und ich hatten nie „das Gespräch“. Mir war es schon seit vielen Jahren bewusst, dass sie auch Frauen mag und so richtig sicher war ich mir, als wir uns gemeinsam eine Queer-Serie anschauten. Wir wussten es einfach und sprachen nie darüber.

Busenfreundin-Magazin: Standet ihr mal auf die gleiche Frau?

Emma: Ich befürchte, dass wir mal dieselbe Frau interessant fanden, aber so richtig konkurriert haben wir eigentlich nie. Ich würde auch sagen, dass wir doch einen etwas anderen Geschmack haben und persönlich ziemlich unterschiedlich sind. 

Busenfreundin-Magazin: Spielte die Angst, die Eltern zu „enttäuschen”, eine Rolle bei euch?

Emma: Ja, ich hatte riesige Angst mich auch vor meinen Eltern zu outen. Ich durfte live die Reaktionen zu meiner Schwester erleben und habe sie auch in den ganzen Diskussionen verteidigt, aber mir fehlte zu diesem Zeitpunkt einfach der Mumm, mich ebenfalls zu outen. 

Busenfreundin-Magazin: Kam das Thema „Vererbung des lesbischen Daseins” bei euch häufiger auf den Tisch?

Emma: Für unsere Eltern ist es noch immer eine Entscheidung und nicht genetisch bedingt. Fun Fact: Ich bin im Internet auf eine Studie gestoßen, die besagt, dass die Chance bei etwa  60% liegt, dass Zwillinge die gleiche sexuelle Orientierung haben. 

Busenfreundin-Magazin: Wie sollte man als Eltern damit am besten umgehen?

Emma: Ich bin der Meinung, dass man Menschen immer so behandeln sollte, wie man selber gerne behandelt werden möchte. Gerade von Eltern wünsche ich mir eine absichernde Reaktion. Dass man etwas überrumpelt reagiert und zu dem Zeitpunkt vielleicht nicht ganz mit der Situation klar kommt, ist vollkommen normal. Doch sollte man dem Kind immer die Sicherheit geben, noch so geliebt zu werden wie vor dem Outing. Uns definiert schließlich nicht unsere Sexualität. Wir sind noch immer dieselben Kinder, die man großgezogen hat. 

Busenfreundin-Magazin: Danke für das Interview, Emma! Alles Gute für euch!


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Qendresa Busenfreundin - Das Magazin
Autorin: Qendresa

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