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Ok, krass!

Queer Pioneers: Lyrikerin Sappho

In unserer neuen Reihe „Queer Pioneers” stellen wir euch Held:innen unserer Community vor. Den Anfang macht die Lyrikerin Sappho. Als Dichterin, Philosophin und Identifikationsfigur der lesbischen Community ging Sappho in die (queere) Geschichte ein. Wer sie war, wie ihr Leben verlief und warum sie ein „Queer Pioneer” ist? Das klären wir jetzt – in „Busenfreundin – das Magazin”!

Sappho wurde zwischen 630 und 612 v. Chr. geboren und starb um 570 v. Chr. Sie lebte auf der Insel Lesbos in der Nordägäis – dem kulturellen Zentrum jener Zeit. Bis heute gilt Sappho als wichtigste – und einzige überlieferte – Lyrikerin des klassischen Altertums. 

Sapphos Leben

Das Leben der Sappho liegt zu großen Teilen im Dunkeln und lässt sich nur anhand von antiken Legenden und Überlieferungen rekonstruieren. Auch enthalten ihre Dichtungen autobiografische Hinweise. Dass aber nur etwa sieben Prozent ihres Gesamtwerks  erhalten ist, macht die Spurensuche nicht einfacher. 

Expert:innen sind sich einig, dass Sappho einem alten mytilenischen Adelsgeschlecht entstammte. Ihr Vater hieß mutmaßlich Skamandros, Skamandronymos oder Herodot, ihre Mutter Kleis.  Außerdem existierten Brüder namens Charaxos, Erigyios und Larichos.

Überlieferungen zufolge wurde Sappho als junge Frau aufgrund ihrer familiären Herkunft aus Mytilene – ihrem Heimatort auf Lesbos –  nach Sizilien verbannt. Um 591 v. Chr. herum konnte sie aber in ihre Heimat zurückkehren und widmete sich ganz der Kunst und Poesie. 

Je nach Interpretation überlieferter Werke hatte Sappho eine Tochter names Kleïs. 

Sapphos Schaffen

Sappho scharte junge Mädchen aus gehobener Herkunft um sich, um sie in musischen Fähigkeiten wie Musik, Gesang, Tanz und Lyrik zu unterrichten. Außerdem trat sie mit ihren Schülerinnen auf Festen auf, um die antiken Götter zu ehren. 

Der Legende zufolge pflegte Sappho auch persönliche Beziehungen zu ihren Schülerinnen und unterrichtete sie in der Liebe. Da homoerotische Beziehungen in der Antike weit verbreitet und keinesfalls verpönt waren, liegt dieser Gedanke nicht fern.

Sapphos Werk

Sappho gilt als weibliche Antwort auf den altgriechischen Dichter Homer und hinterließ uns lebensbejahende Dichtungen, in denen auch die Erotik nicht zu kurz kommt. Leider blieb nur ein kleiner Teil ihres Werks erhalten, sodass wir uns mit Fragmenten ihrer Poesie zufrieden geben müssen. 

Mir gefällt vor allem das folgende Werk, das 2004 aus Papyrusfetzen rekonstruiert wurde, die ein Privatsammler an eine Universität weitergab – ein echter Sensationsfund! Sappho reflektiert darin ihr eigenes Altern: 

„Achtet die schönen Gaben aus dem Veilchenschoß der Musen/ Mädchen, die Lieder der helltönenden Leier./ Mir hat das Alter den einst zarten Leib gebeugt./ Weiß ist nun mein schwarzes Haar/ Und schwer mein Herz. Meine Knie knirschen/ Wo ich früher flink wie ein Rehlein tanzte./ Darüber klage ich oft. Aber es hilft kein Jammern: Menschsein heißt altern./ Zwar erzählt man von Tithonos/ Den die liebestrunkene Eos auf ihren Rosenarmen/ Bis ans Ende der Welt trug, als er schön und jung war./ Doch holte den Gatten der Unsterblichen/ Der Gilb des Alters mit der Zeit doch ein.“

Sappho gehört zu den Queer Pioneers, weil …

Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts meinte der Begriff „Lesbierin” eine Frau, die von der Insel Lesbos stammt. Nach und nach fand der Begriff auch auf Frauen Anwendung, die Frauen lieben – vor allem weil Sapphos (Homo-)Sexualität bis heute unklar ist. War sie eine Busenfreundin? Gab es zwischen ihr und ihren Schülerinnen homoerotische Spannungen? Oder hatte sie mit Homosexualität gar nichts am Hut?

Wir werden es nie erfahren und es ist auch nicht wichtig, oder? Feststeht, dass Sappho unserer Community indirekt eine Bezeichnung gegeben hat und eine historische Identifikationsfigur bleibt. Und wie wir aus dem Deutschunterricht wissen: Auf die Interpretation kommt es an. Für meinen Geschmack bietet zum Beispiel folgendes Gedicht viel Raum dafür: 

„Scheinen will mir, dass er den Göttern gleich ist, jener Mann, der neben dir sitzt, dir nahe auf den süßen Klang deiner Stimme lauscht und, wie du voll Liebreiz ihm entgegenlachst: doch, fürwahr, in meiner Brust hat dies die Ruhe geraubt dem Herzen. Wenn ich dich erblicke, geschiehts mit einmal, daß ich verstumme Denn bewegungslos liegt die Zunge, feines Feuer hat im Nu meine Haut durchrieselt, mit den Augen sehe ich nichts, ein Dröhnen braust in den Ohren. Und der Schweiß bricht aus, mich befällt ein Zittern aller Glieder, bleicher als dürre Gräser bin ich, bald schon bin einer Toten gleich ich anzusehn”


Was verbindet ihr mit Sappho? Wer sind eure Queer Pioneers? Verratet es uns in den Kommentaren!


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Autorin: Patricia

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