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Toxische Beziehung | Wenn zu viel Nähe Distanz schafft

Autorin: Vanessa

Anna ist gay. Die ersten Monate mit der neuen Partnerin waren intensiv und für beide eine schöne, neue Erfahrung. Doch dann wendete sich das Blatt und die Beziehung verwandelte sich in ein Abhängigkeitsverhältnis, das Anna die Luft zuschnürte. Wie es dazu kam, erzählt sie uns exklusiv in “Busenfreundin – das Magazin”.

Wie so viele Paare fanden wir uns auf Tumblr, einem Blog-Netzwerk, auf der Benutzer unter anderem Texte, Bilder, Video- sowie Audiodateien in einem Blog veröffentlichen können.

Da uns einige Kilometer trennten, schrieben wir uns etwa ein Jahr, bis wir uns das erste Mal in Persona trafen. In unseren Konversationen schrieben wir uns alles. Jedes Detail. Sie erzählte mir von ihrer Familie und den ganzen Schicksalsschlägen sowie ihrer letzten Beziehung, die sie wohl sehr geprägt hatte, da ihre Ex-Freundin sie emotional missbraucht hatte. Ich fühlte mit ihr, wir verstanden uns, ich mochte ihren Humor und ich wollte ihr die nötige Sicherheit geben, die ihr anscheinend in ihrem Leben fehlte. 

Ich erinnere mich noch sehr gut an das erste Wochenende, an dem wir uns sahen. Mit ihr fühlte ich mich unsicher. Ich schob es darauf, dass dies normale Zweifel waren, die man nach Online-Datings einfach hat.  Im Nachhinein weiß ich: Es harmonierte einfach nicht. Dennoch kamen wir als Paar zusammen.

Bis wir das erste Mal miteinander schliefen dauerte es erneut mehrere Monate. Ich erinnere mich daran, dass ich mein erstes Mal mit ihr einfach nur hinter mich kriegen wollte. Warum ich so dachte, weiß ich bis heute nicht. 

Mein Gefühl, ihr gegenüber kein Gefühl zu haben, hörte nicht auf. Und trotzdem blieb ich mit der Frau zusammen – wenn auch weiterhin in Form einer Fernbeziehung. 

Mit der Zeit bemerkte ich, dass sie mich von meinem Freundes- und Bekanntenkreis abschottete.

Nachrichten mit Fragen wie „Was machst du gerade?“ und einer damit verbundenen Erwartungshaltung seinen Tag samt Uhrzeiten anzugeben, waren nach kurzer Zeit an der Tagesordnung. In ihren Nachrichten wollte sie zunehmend detaillierter wissen, mit wem ich etwas unternahm, wo ich war, was ich genau tat und wann ich wieder zurück sei. Mich belastete es und so sprach ich sie auf die Inhalte ihrer Nachrichten an. Sie erklärte ihr Verhalten mit einem Misstrauen, was ihre Ex-Freundin in ihr ausgelöst hatte. Sie vermittelte mir das Gefühl, nicht ausreichend für sie da zu sein, nicht gut genug zu sein und ihr mehr geben zu müssen. 

So kam es dazu, dass ich ihr immer sehr schnell und egal in welcher Situation zurückschrieb, sie ausführlich über meinen geplanten Tag in Stand setzte, sogar mitteilte, wenn ich zur Arbeit fuhr und wieder auf dem Rückweg war und mich von Menschen, die ich mochte, entfernte. 

Freunde und Familie wurden mir fremd

Ihre emotionale Misshandlung mir gegenüber wuchs. Sie ging soweit, dass sie mir während eines Abends im Club verbot, andere Frauen anzuschauen. „Deinem Blick zu Folge wärst Du doch am liebsten mit der auf dem Klo verschwunden!“ Vor anderen überspielte sie ihr Verhalten und machte gute Miene zum bösen Spiel.

Sicherlich stellt ihr euch spätestens jetzt die Frage, warum ich dies alles über mich habe ergehen lassen. Diese Frage stelle ich mir bis heute auch. Ich suchte oft das Gespräch, um mit ihr über meine Gefühlslage zu reden, habe sogar zweimal die Beziehung beendet. Mein schlechtes Gewissen, sie weinend zurückzulassen mit den Worten, dass sie ohne mich nicht leben könne, ließ mich immer wieder zurückkehren. Den emotionalen Stress sah man mir an. Wenn ich meine Familie besuchte, sorgten sich alle um mich, da ich so schlecht aussah. 

Gut drei Jahre steckte ich in dieser Beziehung fest, eine Beziehung die mich komplett veränderte. Noch heute bin ich auf dem Weg, mich selber wiederzufinden. Selbst über ein Jahr nach dem Ende der Beziehung ertappe ich mich beispielsweise ab und an noch dabei, wie ich während des Spazierengehens mit meiner aktuellen Partnerin versuche, Blickkontakt zu anderen Frauen zu meiden. Ich überlege oft, was ich meiner Freundin erzähle, aus Angst, Strafen von ihr zu erwarten.  Verrückt, oder? 

Meine jetzige Beziehung  ist das komplette Gegenteil von der vorherigen. Ich fühle mich frei und geliebt. 

Jeder verdient es, richtig geliebt zu werden. Mein Tipp an alle, die vielleicht in einer ähnlichen Situation sind: Wenn es sich nicht richtig anfühlt, dann sucht das Gespräch. Wenn es nicht besser wird, dann zieht einen Schlussstrich. Sprecht mit anderen darüber und holt euch Hilfe.

 Vergesst dieses alte Sprichwort: „Manche Menschen kann man einfach nicht ändern.“ Das Ziel sollte niemals sein, jemanden nach eurem Belieben oder Wünschen zu formen, sondern die Person so „anzunehmen“ wie sie ist. Ihr habt nur dieses eine Leben, also macht das Beste daraus!

Während ich den Text hier schrieb, hörte ich „Don’t Kill My Vibe“ von Sigrid. Hört gerne einmal rein, denn ich möchte diesen Beitrag auch einfach nicht so negativ beenden.

Habt ihr auch so eine Erfahrung machen müssen? Schreibt uns gerne eure Meinung zum Beitrag und / oder eure Erlebnisse in die Kommentare!


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Fotoquelle: Unsplash

3 comments

  1. Vielen Dank für den Bericht. Ich kann es leider komplett nachvollziehen, gerade den Part mit der Unsicherheit von Anfang an, der Angst, irgendwelche Fehler zu machen, die Streit auslösen und das Gefühl, immer mehr von meinem natürlichen Verhalten entfernt zu sein. Der Kontakt zu meinen Freund*innen ist auch deutlich reduziert bzw. überschattet von meinen Gedanken, ob das gerade wohl für meine Freundin okay ist. (Ist es meist nicht.) Es gelten auch diesbezüglich völlig unterschiedliche Maßstäbe, und wenn ich das anspreche, habe ich einen „Fairness-Tick“.
    Die Frage ist, wie man da wieder einen klaren Kopf bekommt.

    Danke jedenfalls für den Artikel, darüber muss ich nachdenken!

    Liebe Grüße,
    Zoe

    1. Liebe Zoe,

      möchtest du dich diesbezüglich einmal direkt und privat austauschen? Manchmal hilft es einfach bestimmte Sachen auszusprechen.

      Viele Grüße
      Vanessa

  2. Hallo,

    ich bin gerade auf den Text gestoßen.

    Ich finde mich in vielen Dingen wieder.

    Ich habe seit 4 Monaten eine Beziehung zu einer Frau.(die erste Beziehung überhaupt zu einer Frau)
    Anfangs war alles wahnsinnig schön und intensiv.
    Ich habe quasi meinen Neuanfang (Trennung, Outing, etc. ) nach kurzer Zeit des Singleseins mit Ihr begonnen. Heute weiß ich für mich, viel zu schnell begonnen.
    Dann kam es durch mehreren äußeren Umständen dazu, dass diese anfängliche Intensität getrübt wurde.
    Sie wohnt schon seit über 2 Monaten mit in der Wohnung (meine eigentlich erste eigene) und wir sehen uns 24/7, ausgenommen hier nur noch mein Job.
    Es ist ein himmelhoch jauchzen – zu Tode betrübt, ein Auf und Ab.
    Sie hat durch diese erwähnten äußeren Umstände nichts mehr, außer mich.
    Sie ist so einnehmend was mein Sein angeht. Sie ist eifersüchtig. Sie ist stimmungsschwankend. Wenn ich mal außerhalb dieses Miteinanders etwas mache, bedeutet das auch immer das die Stimmung an dem Tag versaut ist. Ich merke wie ich mich abkapsel von meinem sozialen Umfeld.

    Wir streiten und diskutieren so sehr, dass wir uns gegenseitig verletzen dabei. Sie mich mehr, als ich sie.
    Ich erkenne mich sofort wieder in dem “warum ich dies alles über mich habe ergehen lassen. Diese Frage stelle ich mir bis heute auch.”
    Ich schäme mich dafür, dass ich es über mich ergehen lasse.

    Dennoch fühlt es sich so an, als wären mir die Hände gebunden.
    Ich will ihr eben nicht noch die letzte verbleibende Sicherheit, mich, nehmen und halte aus.
    Immer mehr. Resignation – Funktionieren.
    Ich weiß, dass es mich kaputt macht, aber ich lass sie bleiben…
    Der Gedanke an eine Trennung macht mich einerseits unglaublich leichtfüssig, aber zugleich auch tieftraurig.

    Auch ihre Vergangenheit spielt mit rein, in verschiedene Entschuldigung und der Begründung nach dem Warum.
    Ich fühl mich wie in einem Strudel, aus dem ich es nicht mehr raus schaffe.

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