fbpx
Deine Story

Schultern zum Anlehnen – was maskuline Optik mit Diskriminierung zu tun hat

Maskulines Aussehen ist ein körperliches Attribut, auf das viele Busenfreundinnen abfahren. „Tomboy“ ist nicht umsonst ein beliebter Hashtag unter lesbischen Instagram-Userinnen. Der Alltag maskulin wirkender Frauen hat jedoch nicht nur glamouröse Seiten. Wie schwierig ein maskulines Äußeres sein kann, erfahrt ihr hier, bei „Busenfreundin – das Magazin “.

„Hey, gegen Männerbrüste kann man was machen!“ Eigentlich wollte Marie nur einkaufen. Im Supermarkt ging sie gerade ihre Einkaufsliste durch, als ein junger Mann dicht an ihr vorbeiging, ihr freundschaftlich auf den Arm klopfte und ihr den Tipp einer Mastektomie zuraunte – einem chirurgischen Eingriff zur Abnahme der Brüste. Diese und viele andere, ähnliche Situationen kennt Marie bereits seit ihrer Kindheit. Diskriminierung aufgrund ihres Aussehens und ihrer Identität war schon während ihrer Schulzeit präsent. Als sie mit ca. 11 Jahren mit Freunden über den Schulhof tobte, hielten einige Zehntklässler sie an, die darüber diskutiert hatten, ob sie ein Junge oder ein Mädchen sei. Nur eine der Schülerinnen tippte auf Mädchen – wegen der Brustansätze.

Einordnung des Geschlechts? Unklar!

Die Verwirrung über ihr Geschlecht ist auch heute oft noch groß. Besucht sie öffentliche Toiletten, kommt es häufig vor, dass sie darauf aufmerksam gemacht wird, dass sie sich in einer Damentoilette befindet. Mindestens aber treffen sie missbilligende Blicke. Mit der Zeit hat sie gelernt, sie zu ignorieren.

Marie besitzt für Frauen eher unüblich breite Schultern und ist mit 1,80 m größer als die Durchschnittsfrau, deren Größe im Schnitt 1,67 m beträgt. Durch ihren Körperbau passt Damenbekleidung ihr nicht. „BH’s kann ich selten im Laden kaufen. Selbst die auf Unterwäsche ausgerichteten Läden führen die Größe für den Umfang meines Brustkorbs meist nicht.“ Sie trägt Jeans und T-Shirts aus der Männerabteilung. Dies unterstreicht ihr maskulines Äußeres und führt zu noch größerer Verwirrung bei Außenstehenden, wenn sie ihre langen Haare offen trägt. Dann hinterfragen scheinbar einige ihr Geschlecht. “Wenn ich durch die Straßen gehe, geht der Blick der Menschen zuerst auf mein Gesicht und die Statur und dann sofort auf die Oberweite, als wollten sie sich vergewissern: ‚Ist da was? Oder ist da nichts?‘“ In Zeiten mit kurzen Haaren wird sie generell als männlich gelesen.

Lebenslange Diskriminierung – Schule, Beruf und Freizeit

Nicht immer wurde ihr Wunsch nach Männermode berücksichtigt: „Bei der Bestellung unserer Abi-Shirts schrieb ich meinen Namen in die Bestellliste mit den Männer-Shirts. Trotzdem weigerten sich die Lehrer und sogar die Schulleitung, von ihren Regeln abzurücken und bestellten mir hinter meinem Rücken ein T-Shirt im Damenschnitt, obwohl klar war, dass es mir nicht passen würde. Das Shirt ist für mich nur Erinnerung – tragen konnte ich es nie.“ Ebenso verpasste Marie ihren Abiball aufgrund der von der Schule gesetzten Kleiderordnung. „Mädchen mussten im Kleid erscheinen, Jungs im Anzug. Ein Ballkleid für meine Statur – unmöglich ohne es maßgeschneidert zu kaufen! Und sich etwas maßschneidern zu lassen, um sich einen Abend lang verkleidet zu fühlen – das wollte ich nicht!“

Auch nach der Schule brachen solche Probleme nicht ab. Beruflich kann ein maskulines Aussehen Hürden bereithalten. „Bei Bewerbungsgesprächen kann sich mein Äußeres sehr negativ auswirken.“ Was das genau bedeutet, erklärt sie im Folgenden: „In meinem Berufsfeld sind nur wenige Frauen tätig. Wenn sich dann mal kein Mann in dem jeweiligen Unternehmen bewirbt, erwarten die Personaler eine feminine Frau.“

Zu diskriminierenden Situationen kam es jedoch besonders häufig im privaten Kontext. So wurde sie beispielsweise bei einem Schwimmbadbesuch mit ihrer Freundin des Bades
verwiesen, weil sie zum Schwimmen eine Männershorts trug. Die beiden Frauen kamen nicht einmal bis zum Beckenrand als Marie von der Bademeisterin vor die Wahl gestellt wurde, sich entweder im zum Bad gehörigen Shop einen Bikini zu kaufen, oder das Gelände zu verlassen. Die Entscheidung war sofort klar: „Ich bin gegangen.“

“‘Weibliche’ Eigenschaften werden mir abgesprochen”

Die körperlichen Gegebenheiten beeinflussen dabei auch die Sicht auf die emotionale Seite Maries. „Oft wird mir Sensibilität und Empathie abgesprochen.“, erzählt sie. Auch das „verletzliche, kleine Mädchen, das Hilfe benötigt“ wurde bei ihr nie erkannt. „Auch ich brauche manchmal Hilfe. Aber diese Rat- oder Hilflosigkeit werden mir kontinuierlich abgesprochen.“ Das Einsetzen weiblicher Reize zieht bei vielen Frauen, die diese auch bewusst einsetzen. Bei Marie hat das nie funktioniert.

„Als Mann gelesen zu werden hat aber nicht nur Nachteile“, erzählt sie. „Bei Verhandlungen werde ich ernster genommen als andere Frauen. Als ich mir zum Beispiel einen neuen Kleiderschrank gekauft habe, konnte ich den Preis um einiges herunterhandeln und Freunde fragen mich oft, ob ich mitkommen und sie bei ihren Verhandlungen unterstützen kann.“ Auch bei der Sicherheit spielt ihr ihr Aussehen in die Hände, wie sie sagt. „Männer sind nachts oft sicherer auf der Straße.“

Habt ihr eine maskuline Statur? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder habt ihr einen entspannteren Umgang damit erlebt? Erzählt es uns in den Kommentaren!


In dieser Kategorie finden eure Geschichten Gehör:

Debbie-Busenfreundin-das-Magazin
Autorin: Debbie

Abonniert gerne unseren Newsletter, wenn ihr stets up to date sein wollt:

5 comments

  1. Diese Erfahrung kenne ich mit meiner Kurzhaarfrisur und dem ‘etwas männlicheren Stil’ sehr gut. Das mit dem Freibad und dem Abiball sind wirklich heftige Erfahrungen.
    Neben mir saß einmal ein älterer Herr in der Bahn der die gesamte halbstündige Fahrt am Handy mit seiner Frau diskutiert hat, ob ich jetzt Mann oder Frau bin. Da die Bahn so voll war und ich Gepäck hatte, konnte ich nicht einmal aufstehen. Hab auch schon öfter Mädels erlebt, die sich dann über einen stellen und sich als etwas besseres fühlen, weil sie ja ‘weiblich’ sind und dann vernichtende Kommentare kommen. An manchen Tagen trifft einen so etwas schon. Da gibt’s auf jeden Fall noch viel zu tun innerhalb der Gesellschaft was die festgefahrenen Geschlechterbilder in den Köpfen der Menschen angeht..

  2. Mir passiert auch ständig derartiges…Kinder die fragen, ob ich ein Mann/Junge sei…Kunden die mich mit „junger Mann“ ansprechen oder „Grüße an den netten Herren der hier sonst arbeitet“ bei meiner Urlaubsvertretung aussprechen. Verwandte meiner Freundin (die mich schon etliche Jahre kennen) fragen mich wie aus dem Nichts, ob ich nicht lieber ein Mann wäre und ob ich schonmal gedacht hätte, dass ich im falschen Körper geboren wurde… und so weiter.
    Diese Fragen, Aussagen und Blicke sind mittlerweile mein Alltag. Dabei würde ich mich generell optisch nicht unbedingt als „männlich“ beschreiben… klar, ich habe kurze Haare, trage auf der Arbeit eine Arbeitshose für Männer und privat auch gerne mal ein T-Shirt.Aber genauso oft trage ich auch „weiblich geschnittene“ Klamotten, schminke mich und so weiter.
    Oftmals nervt mich sowas, weil man den Drang verspürt sich irgendwie erklären bzw. irgendwas richtig stellen zu müssen. Aber andererseits ist das auch wirklich ein Vorteil(wie auch schon in der Story oben erwähnt wurde). Bei Bankterminen oder Besprechungen habe ich das Gefühl, die Leute reden mit mir als wäre ich auf Augenhöhe mit ihnen und meine Freundin wird meist als „Beiwerk“ betrachtet…das kleine Dummchen, der man alles nochmal erklären muss (was absolut nicht der Fall ist!) Und beim Autokauf ist es mir auch gelungen einen guten Preis rauszuschlagen, unter Männern lässt es sich eben besser verhandeln😉😄

  3. Ich sehe auch eher “männlich” als weiblich aus. Ich bin Recht breit und trage nur Klamotten aus der Jungsabteilung. Auf der Toilette ist es immer komisch.. und im Schwimmbad auch. alle gucken ob ich nicht vllt falsch in der damenumkleide bin, bis ich mein shirt Ausziehe. Meine Stimme ist auch einigermaßen tief und in der Schule oder der Stadt fragen mich ständig Leute welches Geschlecht ich denn nun habe… Mittlerweile höre ich drüber weg. Aber schon als ich 6 war wurde mich das gefragt. Also ja… Ich fühle mit allen von euch denen es ähnlich geht.

  4. Selbst von meinem Vater darf ich mir jedes Mal anhören dass ich wie ein Junge aussehe und warum ich mir meine Haare nicht wachsen lasse . Danke Papa aber ich laufe nun schon seit 15 Jahren so rum. Und genau das macht mich glücklich. Tatsächlich wird es in der Öffentlichkeit momentan gefühlt immer schwieriger. Erst vor kurzem wurde ich absichtlich fast angefahren auf einer Tankstelle weil ausländische Mitbürger meinten es wäre witzig „ eine Lesbe „ zu ärgern.

  5. Bei mir ist es exakt das gleiche ich bin auch ca 1.80 groß und habe ziemlich breite Schultern. Es kommt öfters mal vor das ich selbst bei der Herren Mode XL trage.
    Ich bin schon so oft einfach aus Toiletten oder umkleiden geschickt worden weil alle dachten ich sei ein Mann. Ich fühl mich irgendwie komisch dabei und das führt oft dazu das ich mich frage ob ich tatsächlich eine Frau bin. Aber im Endeffekt muss ich mir einfach bewusst machen das die das Problem haben nicht ich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.